Gemeinsam soziale Gerechtigkeit beim Klimaschutz erreichen!

VeranstalltungsortTurnhalleNaila

UNO Welttag zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung

Naila (Oberfranken) – Zum siebten Mal und trotz durch Corona erschwerter Bedingungen hatte das f.i.t.-Projekt „Sichtbar, aber auch nicht stumm“ am 17. 10. zu einer Feierstunde eingeladen, um den UNO-Welttag zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung zu begehen, wie dies alljährlich an vielen Orten weltweit geschieht. Die Veranstalter arbeiten v.a. mit dem Sonderpädagogischen Förderzentrum (SFZ) „Schule am Martinsberg“ und ATD Vierte Welt in Deutschland e.V. zusammen, sowie mit der Evangelischen Erwach­senenbildung Hof-Naila. Dieses Jahr fand sich mit dem Bund Naturschutz ein weiterer Partner. Die hauptamtliche Umweltpädagogin Birgit Schreier brachte sich wegen des aktuellen Themas „Gemeinsam soziale Gerechtigkeit beim Klimaschutz erreichen!“ intensiv ein, denn, so schrieb sie: „Nirgendwo sonst im Landkreis habe ich von einer weiteren Veranstaltung zum Thema gehört oder gelesen.“

Die von Armut Betroffenen und Ausgegrenzten in unserer Gesellschaft kamen in vier sorgfältig vorbereiteten Wortbeiträgen selbst zu Wort.

„Wenn schon ein UNO-Welttag stattfindet, dann sollten wir gerade an die Flüchtlinge denken. Hier geht es um Menschenleben!“, rüttelte Gerda Leutenberger in ihrer mutigen Ansprache auf. Sie betonte: „Klimaschutz ist ein wichtiges Thema. Die Politiker hätten schon längst viel mehr dafür tun müssen. Wir Kleinen sollen jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen. Das sehe ich nicht ein. Ich kann mich nicht noch damit verrückt machen, was andere verbockt haben“.

Gerda Leutenberger am Rednerpult

 

Aus den Erfahrungen eines Familienvaters war zu hören: „Wir haben einen alten Benziner. Wir sind auf ein Auto angewiesen. Wir wissen nicht, was wir machen sollten, wenn dieses Auto irgendwann nicht mehr fährt. Ein Hybrid- oder Elektroauto ist ein Auto für Reiche. Wir können uns nicht mal ein Gebrauchtes für 1000 Euro kaufen. Wir hätten gern etwas dafür zurückgelegt, als wir geerbt haben. Aber da waren wir schon im Leistungsbezug nach dem Regelsatz, und dann wenigstens einen Teil als Notgroschen behalten zu dürfen, ist nicht vorgesehen.“ Der Beitrag einer Familienmutter enthielt einen konkreten Vorschlag: „Sozial gerecht würde ich finden, die Geschwindigkeit noch stärker zu begrenzen. Wir schwächeren Verkehrsteilnehmer haben auch unser Recht! Wir müssen ja selber schon kämpfen – für Gleichberechtigung. Ich bin damals ausgeschmiert worden, wo es hieß, es gibt Mütterrente…“ Ein Mann, der früher auf der Straße gelebt hat, gab eindringlich zu bedenken: „Die Erde, die Natur gibt dir alles, was du brauchst. Du lebst doch von der Erde! Die Leute sehen nicht ein, dass sie die eigenen Lebensgrundlagen zerstören.“ Er erklärte: „Ich brauche ein Mofa, weil ich fürs Laufen und Radfahren nicht mehr genug Puste habe. Wenn der Co2-Preis auf den Benzinpreis draufgeschlagen wird, dann kann der Kleine sein Fahrzeug stehen lassen. Dann trifft es wieder den Verkehrten. Dem Großkopferten ist es egal. Er kann das zahlen.“ Oder er lässt die Menschen in ärmeren Ländern „die Rechnung“ für seine Co2-Bilanz zahlen, wie es in dem so betitelten Kurzfilm von Germanwatch zu sehen war.

Der internationale Gast Lenen Rahaman, Leiter der von ihm gegründeten NGO „MATI“ in Bangladesch, berichtete von den kaum vorstellbaren Herausforderungen für das dicht besiedelte Land (auf einer Fläche wie Baden-Württemberg und Bayern zusammen leben doppelt so viele Menschen wie in ganz Deutschland!), dem durch den Klimawandel etwa ein Drittel seiner Fläche verloren gehen könnte. Tierarzt Dr. Hermann Meiler brachte unter der Überschrift „Globalisierte Agrarmärkte – eine der Ursachen für Armut u. Migration?“ einen weiteren Aspekt ein. Rektorin Marlies Reif stellte neben vielerlei ökologischen und sozialen Projekten der Schule am Martinsberg eine Collage der SFZ-Schüler vor. Norbert Peter von ATD Vierte Welt zitierte Isabelle Perrin von der Generaldelegation dieser Internationalen Bewegung: „Diejenigen, die das Schlimmste durchmachen, lehren uns, dass wir soziale Gerechtigkeit und Umweltgerechtigkeit nicht trennen können.“

Lars Kummetz, 2. Vorsitzender vom Bund Naturschutz Kreisgruppe Hof, würdigte die seltene Gelegenheit zu hören, „was tatsächlich die Betroffenen umtreibt“.  Weitere Grußworte sprachen die stellv. Landrätin Annika Popp, MdL Klaus Adelt und der zweite Bürgermeister der Stadt Naila, Jörg-Steffen Höger. Bei der musikalischen Ausgestaltung spielte Katja Stölzel-Sell mit Klangschalen und Gitarre eine tragende Rolle. Solistisch wirkten Bettina und Annette Rodenberg sowie Diakon Hans-Jürgen Dommler mit. Letzterer konnte in seinen Schlussworten für 2021 bereits ankündigen, dass da der UNO-Welttag 17. Oktober auf einen Sonntag falle.

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